
An das Fahrgetriebe denkt man meist erst, wenn sich am Turas Öl zeigt oder der Bagger zu heulen beginnt und zu einer Seite zieht. Es gehört zu den am stärksten belasteten Baugruppen eines Kettenbaggers. Ein Ausfall legt die Maschine still, und die Reparatur kann teuer werden. Im Folgenden erklären wir, wie ein Fahrgetriebe aufgebaut ist, woran man Verschleiß erkennt, wie es gewartet wird und wann sich eine Instandsetzung lohnt und wann der Kauf eines gebrauchten oder neuen Getriebes.
Was ist ein Fahrgetriebe und wie arbeitet es mit dem Fahrmotor zusammen
Das Fahrgetriebe, auch Endantrieb oder Fahrantriebsgetriebe genannt (engl. final drive), ist ein Untersetzungsgetriebe. Es sitzt zwischen dem hydraulischen Fahrmotor und dem Turas (Antriebsrad) der Kette. Der Hydromotor, meist in Axialkolbenbauweise, läuft mit hoher Drehzahl, aber begrenztem Drehmoment. Das Fahrgetriebe reduziert die Drehzahl um ein Vielfaches und erhöht das Drehmoment im gleichen Verhältnis. So kann eine Maschine mit mehreren Dutzend Tonnen am Hang anfahren, auf der Stelle drehen und den Bodenwiderstand überwinden.
In der Praxis bilden Fahrmotor und Fahrgetriebe eine Antriebseinheit. Im Motorgehäuse oder zwischen Motor und Getriebe befinden sich in der Regel:
- eine Feststellbremse – eine Lamellenbremse, die durch Federn geschlossen und durch Öldruck gelöst wird,
- ein Bremsventil (Senkbremsventil) – verhindert, dass die Maschine unkontrolliert den Hang hinunterrollt,
- bei vielen Modellen eine Zweistufen-Fahrgeschwindigkeit – durch Verstellung des Schwenkscheibenwinkels im Motor.
Bei der Diagnose muss daher immer geklärt werden, ob das Problem im mechanischen oder im hydraulischen Teil liegt.
Aufbau des Fahrgetriebes eines Kettenbaggers
Planetengetriebe
Bei Kettenbaggern kommt fast immer ein Planetengetriebe zum Einsatz, meist zwei- oder dreistufig. Jede Stufe besteht aus einem Sonnenrad, mehreren Planetenrädern auf einem Planetenträger und einem Hohlrad mit Innenverzahnung. Das Hohlrad ist in der Regel Teil des umlaufenden Gehäuses, an das der Turas angeschraubt wird. Ein Planetengetriebe bringt eine große Übersetzung in einem kompakten Gehäuse unter und verteilt die Last auf mehrere Zahneingriffe gleichzeitig.
Lager
Das Gehäuse dreht sich auf großen Lagern, meist Kegelrollen- oder Schrägkugellagern. Sie übertragen das Antriebsmoment sowie die Radial- und Axialkräfte aus Kettenspannung, Stößen und Lenkbewegungen. Spiel in den Hauptlagern ist eine der häufigsten Ursachen für Folgeschäden. Das Gehäuse beginnt zu schlagen, die Dichtung verliert die Anlage und die Zähne tragen nur noch an den Kanten.
Gleitringdichtung
Zwischen dem feststehenden, am Rahmen verschraubten Teil und dem drehenden Gehäuse arbeitet eine Gleitringdichtung (Laufwerksdichtung, Typ Duo-Cone). Sie besteht aus zwei präzise geläppten Metallringen, die von Gummiringen (O-Ringen) angepresst werden. Die Dichtung hält das Öl innen und Schlamm, Sand und Wasser außen. Sie ist sehr langlebig, reagiert aber empfindlich auf falsche Montage, Überhitzung, eingewickelten Draht oder Seile sowie Lagerspiel.
Anzeichen für Verschleiß am Fahrgetriebe
- Ölaustritt am Turas – meist ist die Gleitringdichtung beschädigt. Fahren mit Ölverlust führt schnell zum Fressen von Lagern und Getriebe.
- Geräusche – Heulen, Brummen oder rhythmisches Klopfen beim Fahren. Heulen deutet meist auf verschlissene Verzahnungen oder Lager hin, Klopfen auf ausgebrochene Zähne oder beschädigte Planetenräder.
- Metallspäne im Öl – feiner Metallabrieb in geringer Menge an der Magnetschraube ist normal. Plättchen, Bruchstücke und Körner bedeuten fortschreitende Schäden an Lagern oder Zähnen.
- Überhitztes Gehäuse – ein Fahrgetriebe ist nach gleicher Arbeitszeit deutlich wärmer als das auf der anderen Seite.
- Maschine zieht zu einer Seite, nachlassende Zugkraft – Ursache kann das Fahrgetriebe sein, ebenso oft aber ein verschlissener Fahrmotor (innere Leckage), eine teilweise angezogene Feststellbremse oder ein Problem am Steuerblock oder an der Drehdurchführung.
- Steigender Ölstand oder verfärbtes Öl – meist ein Zeichen, dass der Wellendichtring des Fahrmotors undicht ist und Hydrauliköl ins Getriebe gelangt. Milchiges Öl bedeutet Wasser.
Auch ein neues Fahrgetriebe kann schnell ausfallen, wenn die Ursache des ersten Schadens nicht beseitigt wird. Einen solchen Fall haben wir im Artikel Neues Fahrgetriebe und erneuter Ausfall? Das ist der Grund – Wacker Neuson ET18 beschrieben. Vor dem Austausch sollten Fahrmotor, Systemdrücke, Leckölmenge und Kettenspannung geprüft werden.
Ölwechsel und laufende Kontrolle
Ein Fahrgetriebe braucht nicht viel, aber das Wenige muss regelmäßig erledigt werden:
- Ölstand prüfen – Maschine auf ebenem Untergrund abstellen und den Turas so drehen, dass die Schrauben in der in der Betriebsanleitung angegebenen Position stehen (meist Ablassschraube unten, Kontrollschraube in der waagerechten Achse). Das Öl sollte bis zur Unterkante der Kontrollöffnung reichen.
- Ölwechsel – gemäß Herstellervorgaben. Der erste Wechsel erfolgt meist nach der Einlaufzeit, die weiteren in festen Betriebsstundenintervallen. Getriebeöl in der vom Hersteller angegebenen Spezifikation und Viskosität verwenden. Nicht durch Hydraulik- oder Motoröl ersetzen.
- Magnetschraube kontrollieren – bei jedem Ölwechsel. Günstiger geht Diagnose nicht.
- Dichtungsbereich sauber halten – eingewickelten Draht, Folie und festgebackenen Schlamm entfernen. Bei Arbeiten in Wasser und Schlamm häufiger prüfen, ob das Öl emulgiert ist.
- Richtige Kettenspannung – eine zu stark gespannte Kette überlastet die Lager des Fahrgetriebes und beschleunigt ihren Verschleiß.
Instandsetzung, gebrauchtes oder neues Fahrgetriebe

Die Wahl hängt vom Zustand der Baugruppe, vom Alter der Maschine und davon ab, wie lange sie stillstehen darf.
- Eine Instandsetzung ist sinnvoll, wenn Gehäuse, Hohlrad und Planetenträger intakt sind und Lager, Gleitringdichtung, Planetenräder oder Sonnenräder verschlissen sind. Nach der Demontage werden alle Teile geprüft, Verschleißteile ersetzt und die Lagervorspannung eingestellt. Bei dieser Gelegenheit sollte auch der Fahrmotor geprüft werden. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel über die Instandsetzung von Hydraulikpumpen und Hydromotoren.
- Ein gebrauchtes Fahrgetriebe ist ein vernünftiger Kompromiss bei älteren Maschinen und wenn es auf eine schnelle Rückkehr zur Arbeit ankommt. Achten Sie auf Gehäusespiel, Zustand der Dichtung, Aussehen des Öls, Späne an der Magnetschraube sowie auf die passende Teilenummer.
- Ein neues Fahrgetriebe kommt infrage, wenn Gehäuse oder Hohlrad gerissen sind, das Getriebe gefressen hat oder die Instandsetzungskosten an den Preis einer neuen Einheit heranreichen. Auch bei intensiv genutzten Maschinen, bei denen Planbarkeit zählt, ist es eine Überlegung wert.
Wie wählt man das passende Fahrgetriebe für den Bagger aus
Das Maschinenmodell allein reicht nicht, denn innerhalb einer Baureihe haben Hersteller Lieferanten und Getriebeversionen gewechselt. Halten Sie vor der Bestellung bereit:
- die Teilenummer vom Typenschild des Fahrgetriebes und des Fahrmotors (ist das Schild unleserlich, fotografieren Sie Gehäuse und Gussteile),
- Modell und Seriennummer der Maschine sowie die Laufwerksausführung (z. B. LC, NLC, HD),
- die Übersetzung und die Daten des Fahrmotors: Schluckvolumen, ein- oder zweistufig, Bremsenart,
- die Anschlussmaße: Anzahl und Teilung der Bohrungen zum Rahmen und zum Turas, Zentrierdurchmesser und Lage der Hydraulikanschlüsse,
- die Angabe, ob eine komplette Einheit (mit Motor) oder nur das Getriebe benötigt wird.
Im Zweifelsfall schicken Sie uns diese Daten und Fotos – wir helfen, die Passgenauigkeit zu bestätigen, bevor das Fahrgetriebe in die Maschine kommt.
Fahrgetriebe für Liebherr, Volvo, Komatsu, Hitachi und Atlas

Im WIBAKO-Shop finden Sie in der Rubrik Antriebsstrang Fahrgetriebe für Kettenbagger gängiger Marken. Beispiele sind das Fahrgetriebe für Bagger Liebherr R944 FAT400P073, das Fahrgetriebe für Bagger Liebherr R924, das Fahrgetriebe für Bagger Volvo EC240LC sowie das Fahrgetriebe für Bagger Volvo EC210LC. Das Angebot ändert sich je nach Verfügbarkeit neuer und gebrauchter Teile. Wenn Sie ein Fahrgetriebe für Komatsu, Hitachi, Caterpillar, Doosan oder Fahrgetriebe und Fahrantrieb für Atlas suchen und keinen passenden Artikel finden, kontaktieren Sie uns. Nennen Sie uns Teilenummer und Maschinenmodell – wir prüfen die Liefermöglichkeiten oder beurteilen, ob sich die vorhandene Baugruppe reparieren lässt.
Den Austausch des Fahrgetriebes können Sie auch unserem Service übertragen. Beim Einbau von bei WIBAKO gekauften Teilen beträgt der Stundensatz 190 PLN netto, die Anfahrt zur Maschine berechnen wir mit 3 PLN netto pro km für Hin- und Rückweg. Bei der Demontage sollte gleich der Zustand von Turas, Fahrmotor und Dichtung beurteilt werden, damit die neue oder instandgesetzte Einheit nicht mit denselben Problemen arbeiten muss wie die vorherige.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Fahrgetriebe am Bagger?
Das Fahrgetriebe, auch Endantrieb genannt, ist ein Planetengetriebe zwischen dem hydraulischen Fahrmotor und dem Turas der Kette. Es reduziert die Motordrehzahl und vervielfacht das Drehmoment, das die Maschine zum Fahren benötigt.
Woran erkennt man ein defektes Fahrgetriebe?
Typische Anzeichen sind Ölaustritt am Turas, Heulen oder Klopfen beim Fahren, Metallplättchen an der Magnetschraube und ein überhitztes Gehäuse. Das Ziehen zu einer Seite kann auch an einem Defekt des Fahrmotors oder der Bremse liegen, daher ist eine Diagnose notwendig.
Welches Öl gehört in das Fahrgetriebe eines Baggers?
Getriebeöl in der Spezifikation und Viskosität, die in der Betriebsanleitung des Maschinenherstellers angegeben sind. Hydrauliköl oder Motoröl sollte nicht verwendet werden.
Kann man ein Fahrgetriebe instand setzen?
Ja, wenn Gehäuse, Hohlrad und Planetenträger intakt sind. Dann werden verschlissene Lager, die Gleitringdichtung, Planetenräder oder Sonnenräder ersetzt. Bei gerissenem Gehäuse oder gefressenem Getriebe ist meist eine gebrauchte oder neue Einheit wirtschaftlicher.
Welche Angaben werden für die Auswahl eines Fahrgetriebes benötigt?
Die Teilenummer vom Typenschild des Fahrgetriebes und Fahrmotors, Modell und Seriennummer der Maschine, die Laufwerksausführung sowie die Anschlussmaße. Ist das Typenschild unleserlich, schicken Sie uns Fotos von Gehäuse und Gussteilen – wir helfen, die Passgenauigkeit zu bestätigen.