Dies ist der zweite Teil der Motorüberholung für einen Mobilkran Liebherr LTM 1080. In den vorherigen Folgen zeigten wir den Panneneinsatz und die Zerlegung des Motors. Diesmal: Tests auf dem Prüfstand, Rückkehr des Motors in die Maschine, Erststart und Probefahrt.
Prüfstand: rund 30 Stunden Betrieb unter Last
Nach den Werkstatttests kam der Motor auf den Prüfstand. Jeder Motor muss fest am Boden verankert und an Luft (zunächst kurzgeschlossen, später über den Ladeluftkühler), Abgas, Wasser, Kraftstoff, Kurbelgehäuseentlüftung und zahlreiche Messsensoren angeschlossen werden. Nach dem ersten Start prüfen wir die Grundwerte – Drehzahl, Öldruck, Temperatur – und erhöhen dann schrittweise die Last.
Der Motor verbringt etwa drei Tage auf dem Prüfstand, also 20–30 Stunden tatsächliche Laufzeit. In dieser Zeit wird er eingefahren und im gesamten Lastbereich bis zur Volllast geprüft. Die ersten Betriebsstunden in der Maschine sollte man ihn trotzdem etwas schonender behandeln.
Einbau im Kran
Vor Ort zeigte sich, dass der Motorraum verschmutzt war – und nach dem Start wäre ein neues Leck kaum von einem alten zu unterscheiden. Deshalb reinigten wir den Motorraum zuerst mit dem Hochdruckreiniger. Die weiteren Schritte:
- Lichtmaschine und Anlasser noch am hängenden Motor montiert – unten ist es sehr eng,
- Welle zum Antrieb der Hydraulik und Gelenkwelle zum Getriebe – Schrauben gereinigt und mit Schraubensicherung gesichert,
- Motorlager mit dem Schlagschrauber vorgezogen, danach von Hand mit langer Ratsche angezogen,
- neue Dichtung unter der Hydraulikpumpe, Dichtflächen gründlich gereinigt und entfettet,
- Kraftstoffleitungen (Vor- und Rücklauf) so befestigt, dass nichts scheuert – nach dem Einbau der Kühler kommt man nicht mehr heran,
- Kühlerpaket, Entlüftungsleitungen der Zylinderköpfe, Hydraulikschläuche und Ansaugrohre.
Erststart und Tests
Das Motoröl wurde aus einem IBC-Container über die Filteröffnung eingefüllt, neues Kühlmittel aufgefüllt und Kühl- sowie Kraftstoffsystem entlüftet. Nach dem Einbau des Rechners in der Kabine sprang der Motor problemlos an – aus der unteren und der oberen Kabine, mit Öldruck und Ladekontrolle. Zur Kontrolle füllten wir ca. 5 Liter Öl nach (die externen Filter hatten einen Teil aufgenommen) und prüften den Getriebeölstand in der auf dem Peilstab angegebenen Stellung: Neutral, Leerlauf, ca. 80 °C.
Wie so oft bei Kranen hatte der Oberwagenrechner nach dem Abklemmen der Batterien seine Kalibrierung verloren und meldete einen Seilfehler. Nach erneuter Kalibrierung und Entriegelung funktionierten alle Funktionen, und die Probefahrt bestätigte die Einsatzbereitschaft.
Fazit
- Auf dem Prüfstand wird der Motor eingefahren und unter Volllast geprüft, bevor er in die Maschine kommt.
- Ein sauberer Motorraum erleichtert die Dichtheitskontrolle nach der Überholung.
- Beim Einbau im Kran lohnt sich eine durchdachte Reihenfolge – manche Anbauteile lassen sich leichter montieren, bevor der Motor auf den Lagern sitzt.
- Nach dem Abklemmen der Stromversorgung muss mit einer Kalibrierung der Kranelektronik gerechnet werden.
Mehr zu unserer Leistung: Überholung von Verbrennungsmotoren.
Das Reparaturvideo ansehen: Kommt der Motor zurück in den Kran? Erster Start nach der Überholung – Liebherr LTM 1080
