Der hydraulische Fahrmotor und der Schwenkmotor sind die am stärksten beanspruchten Baugruppen eines Kettenbaggers. Sie arbeiten mit vollem Systemdruck, in Staub und Schlamm und sind mit Planetengetrieben verbunden. Wenn sie verschleißen, ähneln die Symptome oft einem Defekt an der Pumpe, am Steuerblock oder am Fahrgetriebe. Im Folgenden erklären wir, wie diese Motoren funktionieren, woran man Verschleiß erkennt, wie man sie prüft und wovon die Reparaturkosten abhängen.
Fahrmotor und Schwenkmotor – Aufgabe und Aufbau

Bei Kettenbaggern ist der Fahrmotor meist ein Axialkolbenmotor. Er ist direkt mit dem Fahrgetriebe verschraubt, also dem Planetengetriebe, das das Antriebsrad der Kette antreibt. In einer Baugruppe befinden sich in der Regel:
- ein Senkbremsventil, das ein Wegrollen der Maschine verhindert,
- Druckbegrenzungsventile,
- eine federbelastete, hydraulisch gelüftete Lamellen-Feststellbremse,
- eine Schwenkwinkelverstellung, die für die zwei Fahrstufen sorgt.
In Radmaschinen findet man häufig Schrägachsenmotoren mit verstellbarem Schluckvolumen, die ein Schaltgetriebe oder eine Achse antreiben.
Der Schwenkmotor treibt das Schwenkgetriebe an, dessen Ritzel in den Drehkranz eingreift. Neben dem Triebwerk besitzt er eine Feststellbremse, Schockventile, die den Druck beim Anfahren und Abbremsen des Oberwagens begrenzen, sowie Nachsaugventile. Er arbeitet zyklisch, da er den schweren Oberwagen ständig beschleunigt und abbremst. Deshalb zeigt sich sein Verschleiß anders als beim Fahrmotor.
Symptome eines defekten Hydraulikmotors

Der Verschleiß nimmt meist schleichend zu. Der Fahrer bemerkt zuerst einen Kraft- oder Geschwindigkeitsverlust, erst später Geräusche und Undichtigkeiten. Je früher die Maschine zur Diagnose kommt, desto größer ist die Chance, dass eine Instandsetzung genügt und nicht die komplette Baugruppe getauscht werden muss.
Fahrmotor
- keine Kraft am Hang oder beim Drehen auf der Stelle, die Maschine „geht unter Last in die Knie“,
- Ziehen zu einer Seite bei Geradeausfahrt, weil eine Kette langsamer läuft,
- keine Umschaltung in die zweite Fahrstufe oder selbsttätiges Zurückschalten in die erste,
- Ruckeln oder Abrollen der Maschine am Hang nach Loslassen des Hebels,
- steigender Ölstand im Fahrgetriebe oder Hydrauliköl im Getriebeöl,
- Heulen, Klopfen, deutlich höhere Gehäusetemperatur als auf der anderen Seite.
Schwenkmotor
- langsames oder ungleichmäßiges Schwenken, schwaches Anfahren des Oberwagens,
- Schlag oder spürbares Spiel beim Stoppen der Schwenkbewegung,
- der Oberwagen dreht sich am Hang trotz losgelassenem Hebel, was auf die Bremse hinweist,
- Quietschen, Kratzen, Späne im Öl des Schwenkgetriebes.
Symptom – mögliche Ursache – was tun
- Ziehen zur Seite: verschlissenes Triebwerk eines Fahrmotors, undichte Drehdurchführung, defektes Druckbegrenzungsventil oder Steuerblocksektion. Was tun: Drücke beider Fahrkreise und Leckölmenge jedes Motors messen. Wenn die Bauart es zulässt, die Versorgung der Seiten tauschen, um Pumpe und Steuerblock auszuschließen.
- Keine zweite Fahrstufe: kein Steuerdruck, festsitzender Verstellkolben oder defektes Magnetventil. Was tun: Steuerdruck am Motor messen und Spannungsversorgung des Magnetventils prüfen.
- Hydrauliköl im Fahrgetriebe: defekter Wellendichtring des Motors. Häufige Ursache ist ein zu hoher Gehäusedruck bei verstopfter oder geknickter Leckölleitung. Was tun: Leckölleitung auf Durchgang prüfen, Dichtung und Getriebeöl erneuern, Lager beurteilen.
- Abrollen am Hang, Schwenkdrift: verschlissene Lamellen oder Federn der Feststellbremse oder defektes Senkbremsventil. Was tun: Lüftdruck der Bremse messen, Bremse zerlegen und Lamellenpaket vermessen.
- Geräusche und Späne: festgefressene Gleitschuhe, beschädigter Steuerspiegel, defekte Lager. Was tun: Maschine stilllegen, Ölprobe nehmen und Filter kontrollieren. Weiterer Betrieb verteilt die Späne im gesamten System.
Diagnose: Leckölmessung und Druckprüfung
Am meisten über den Zustand eines Kolbenmotors verrät die innere Leckage, also die Ölmenge, die über die Leckölleitung abfließt. Spiel entsteht zwischen Kolben und Zylindertrommel sowie zwischen Zylindertrommel und Steuerspiegel. Je größer es ist, desto mehr Öl umgeht die Arbeit und fließt ins Lecköl ab, und der Motor verliert Drehmoment und Drehzahl. Die Messung erfolgt so:
- Öl auf Betriebstemperatur bringen.
- Leckölleitung vom Tank trennen, in einen Messbecher führen und den Tankanschluss verschließen.
- Motor bis zum Einstelldruck des Druckbegrenzungsventils belasten, indem Kette oder Oberwagen gemäß Herstellervorgabe blockiert werden. Ölmenge in einer festgelegten Zeit messen.
- Ergebnis mit dem zulässigen Wert aus der Servicedokumentation und mit dem Motor der anderen Seite vergleichen.
Parallel werden gemessen:
- Arbeits- und Begrenzungsdruck der Kreise,
- Steuerdruck der Fahrstufenumschaltung,
- Lüftdruck der Bremse.
Auch Filter und Magnetstopfen sollte man sich ansehen. Messingpartikel deuten auf Gleitschuhe oder Buchsen hin, Stahlspäne auf Lager oder Getriebeverzahnung. Ein Beispiel für eine solche Diagnose haben wir beim Ausfall von Schwenkwerk und Rotator am Liebherr LH35 beschrieben.
Instandsetzung des Hydraulikmotors – Befundung und Bearbeitung

Nach dem Ausbau wird der Motor gereinigt und in Einzelteile zerlegt. Die Befundung umfasst vor allem:
- Steuerspiegel und Stirnfläche der Zylindertrommel: Riefen, Pittings, Fressspuren,
- Kolben mit Gleitschuhen: Spiel im Kugelgelenk, Verschleiß der Gleitflächen,
- Schrägscheibe bzw. Stützscheibe und Rückzugplatte,
- Bohrungen der Zylindertrommel, Keilwelle und Lager,
- Bremslamellen, Federn, Ventile und Verstellkolben.
Steuerspiegel, Trommelstirnfläche und Stützscheibe sind Planflächen, auf denen das Öl einen dichtenden Film bildet. Bei geringem Verschleiß werden sie auf einer Läppmaschine wiederhergestellt. Teile, die über die Bearbeitungsgrenze hinaus verschlissen sind, sowie alle Dichtungen und Lager werden durch neue ersetzt. Der Austauschumfang wird nach der Vermessung festgelegt und bestimmt den Großteil der Kosten.
Montage und Prüfung nach der Instandsetzung

Der Motor wird mit neuem Dichtsatz unter Einhaltung der Anzugsmomente und Ventileinstellungen montiert. Vor der Inbetriebnahme muss das Gehäuse über den Leckölanschluss mit Öl befüllt werden. Ein „trockener“ Start kann frisch bearbeitete Flächen in den ersten Betriebsminuten zerstören. Nach dem Einbau in die Maschine werden Lecköl, Drücke, Fahrstufenumschaltung, Bremsfunktion und Betriebstemperatur geprüft.
Ebenso wichtig ist es, die Schadensursache zu beseitigen. Ist der Motor durch verschmutztes Öl verschlissen, müssen Öl und Filter gewechselt, die Leitungen gespült und die Pumpe geprüft werden. Sonst teilt die instandgesetzte Baugruppe bald das Schicksal der alten. Das zeigt gut die Geschichte vom neuen Fahrgetriebe und erneuten Ausfall am Wacker Neuson ET18. Bei Pumpen ist es ähnlich, siehe die Instandsetzung der Pumpe DPVO 165.
Gängige Bauarten: Rexroth A6VM, Kawasaki M2X, Linde
Das Funktionsprinzip ist gleich, die Bauarten unterscheiden sich jedoch in Details, die Diagnose und Teileauswahl beeinflussen:
- Rexroth A6VM – Schrägachsen-Kolbenmotor mit verstellbarem Schluckvolumen, u. a. in Fahrantrieben von Radmaschinen eingesetzt. Typische Probleme sind Verschleiß von Steuerspiegel und Kolben sowie eine defekte Schwenkwinkelregelung.
- Kawasaki M2X – Baureihe von Schrägscheiben-Schwenkmotoren, verbaut in vielen Kettenbaggern. Am häufigsten verschleißen Triebwerk, Feststellbremse und Schockventile.
- Linde (HMF, HMV) – Kolbenmotoren mit konstantem und verstellbarem Schluckvolumen, zu finden in Fahrantrieben und Schwenkwerken.
Ähnlich aufgebaut sind Motoren von Liebherr, Komatsu oder Sauer-Danfoss. Diagnose- und Instandsetzungsmethoden sind dieselben, Teile und Servicedaten unterscheiden sich.
Instandsetzung oder Austausch des Motors

Eine Instandsetzung lohnt sich, wenn Gehäuse, Zylindertrommel und Welle weiter verwendbar sind und sich der Verschleiß auf Gleitflächen, Kolben, Lager und Dichtungen beschränkt. Ein neuer oder geprüfter gebrauchter Motor ist in drei Fällen sinnvoller:
- das Gehäuse ist gerissen,
- die Trommelbohrungen sind festgefressen,
- die Kosten der Instandsetzungsteile nähern sich dem Preis einer kompletten Baugruppe.
Beim Fahrmotor sollte man stets auch den Zustand des Fahrgetriebes prüfen, beim Schwenkmotor den des Schwenkgetriebes und des Drehkranzes.
Neue und gebrauchte Antriebskomponenten finden Sie im Bereich Antriebsteile. Ist das benötigte Teil nicht im Shop, fragen Sie nach der Verfügbarkeit.
Was kostet die Reparatur eines Hydraulikmotors und wie lange dauert sie
Einen Pauschalpreis für die Reparatur eines Fahr- oder Schwenkmotors gibt es nicht. Die Kosten hängen von mehreren Faktoren ab:
- Verschleißumfang: Ein Dichtungswechsel ist eine ganz andere Größenordnung als der Tausch der Zylindertrommel mit Kolben und Steuerspiegel,
- Verfügbarkeit und Herkunft der Teile: Original, Nachbau oder gebraucht,
- Aufwand für den Ausbau: Der Fahrmotor wird meist zusammen mit dem Fahrgetriebe oder nach dessen Trennung ausgebaut,
- Zusatzarbeiten: Reparatur von Fahr- oder Schwenkgetriebe, Spülen des Systems, Filterwechsel.
Servicearbeiten berechnen wir nach folgenden Sätzen:
- Arbeitsstunde Mechaniker: 230 PLN netto je Mechaniker,
- Arbeitsstunde bei Montage von bei WIBAKO gekauften Teilen: 190 PLN netto,
- Anfahrt: 3 PLN netto pro km, berechnet für Hin- und Rückweg.
Die Kosten für Teile und Bearbeitung legen wir nach der Befundung des zerlegten Motors fest. Die Reparaturdauer hängt vor allem von der Teileverfügbarkeit ab. Ein Angebot erstellen wir am schnellsten, wenn Sie uns das Maschinenmodell, die Nummer vom Typenschild des Motors und eine Beschreibung der Symptome nennen. Sprechen Sie uns an.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet die Reparatur eines Hydraulikmotors?
Die Kosten hängen vor allem vom Verschleißumfang ab: Ein Dichtungswechsel wird anders kalkuliert als der Tausch von Zylindertrommel, Kolben und Steuerspiegel. Die Arbeitszeit kostet 230 PLN netto pro Mechanikerstunde, die Anfahrt 3 PLN netto pro km für Hin- und Rückweg. Die Kosten für Teile und Bearbeitung legen wir nach der Befundung des zerlegten Motors fest.
Wie prüft man, ob der Fahrmotor eines Baggers defekt ist?
Der zuverlässigste Test ist die Leckölmessung bei Belastung des Motors bis zum Einstelldruck des Druckbegrenzungsventils und der Vergleich mit den Herstellerdaten sowie mit dem Motor der anderen Seite. Zusätzlich werden die Drücke des Fahrkreises, der Steuerdruck der Fahrstufenumschaltung und der Lüftdruck der Bremse gemessen.
Warum steigt der Ölstand im Fahrgetriebe?
Meist ist ein undichter Wellendichtring des Fahrmotors die Ursache, durch den Hydrauliköl ins Fahrgetriebe gelangt. Häufig wird der Dichtring durch zu hohen Gehäusedruck bei verstopfter oder geknickter Leckölleitung beschädigt, deshalb muss auch die Leckölleitung geprüft werden.
Der Bagger zieht zu einer Seite – ist es sicher der Fahrmotor?
Nicht unbedingt. Dasselbe Symptom kann eine undichte Drehdurchführung, ein defektes Druckbegrenzungsventil, eine Steuerblocksektion oder die Pumpe verursachen. Vor dem Ausbau des Motors sollten Drücke und Leckagen beider Fahrkreise gemessen werden.
Instandsetzung oder neuer Hydraulikmotor?
Eine Instandsetzung lohnt sich, wenn Gehäuse, Zylindertrommel und Welle weiter verwendbar sind. Ein Austausch ist sinnvoller bei gerissenem Gehäuse, festgefressenen Trommelbohrungen oder wenn die Teilekosten sich dem Preis eines kompletten Motors nähern.
Setzen Sie Hydraulikmotoren verschiedener Hersteller instand?
Wir setzen Hydraulikpumpen und Hydraulikmotoren von Baumaschinen instand. Zu einem konkreten Modell fragen Sie am besten direkt bei uns an und nennen Hersteller und Typ der Maschine sowie die Nummer vom Typenschild des Motors.