Das Kettenlaufwerk ist beim Bagger das Bauteil, das am schnellsten verschleißt und im Betrieb die höchsten Kosten verursacht. Rollen, Räder und Kette nutzen sich mit jedem gefahrenen Meter und jeder Drehung auf der Stelle ab. Die gute Nachricht: Der Verschleiß lässt sich messen, bevor etwas bricht oder die Kette auf der Baustelle abspringt. Im Folgenden erklären wir, woraus das Laufwerk besteht, was und wie gemessen wird und wann sich der Tausch eines einzelnen Teils oder des kompletten Satzes lohnt.
Aufbau des Kettenlaufwerks

Alle Laufwerksteile arbeiten zusammen – der Verschleiß eines Teils beschleunigt daher den Verschleiß der übrigen. Bei einem typischen Kettenbagger sind das:
- Laufwerksrahmen: die tragende Konstruktion, an der Rollen, Räder und Kettenspanner befestigt sind.
- Laufrollen (Bodenrollen): übertragen das Maschinengewicht auf die Kette. Sie haben eine Lauffläche und Führungsbunde, sind meist mit Öl dauergeschmiert und mit Gleitringdichtungen abgedichtet.
- Stützrollen (Oberrollen, Tragrollen): stützen den oberen Kettenstrang, damit er nicht durchhängt und gegen den Rahmen schlägt.
- Leitrad: führt die Kette vorn am Laufwerk und hält zusammen mit dem Kettenspanner (Fettzylinder mit Feder) die richtige Kettenspannung.
- Turas (Antriebsrad, Segmente): überträgt das Drehmoment vom Fahrgetriebe auf die Kette. Mehr zum Antrieb selbst lesen Sie im Artikel Fahrgetriebe am Bagger – Aufbau, Verschleißanzeichen, Instandsetzung oder Austausch.
- Laufwerkskette: Kettenglieder, verbunden über Bolzen und Buchsen, mit aufgeschraubten Bodenplatten.
So messen Sie den Verschleiß am Baggerlaufwerk
Messen Sie nur am gereinigten Laufwerk, denn Schlamm und Steine verfälschen die Ergebnisse. Vergleichen Sie die Werte mit dem Nennmaß und der Verschleißgrenze aus den Unterlagen des Maschinen- oder Teileherstellers. Nur so wissen Sie, wie viel Prozent der Lebensdauer bereits verbraucht sind. Sinnvoll ist ein einfaches Protokoll: Datum, Betriebsstunden, Messwerte. Die Verschleißrate sagt mehr aus als eine einzelne Messung.
Kettenteilung
Eine Kette längt sich nicht, sondern verschleißt innen: Der Bolzen arbeitet sich in die Buchse ein und die Teilung wächst. Messen Sie bei gespannter Kette den Abstand der Bolzenmitten über mehrere Glieder (z. B. 4 Teilungen) und teilen Sie ihn durch die Anzahl der Teilungen. Prüfen Sie außerdem den Außendurchmesser der Buchsen im Eingriffsbereich des Turas sowie die Gliederhöhe von der Lauffläche bis zur Auflagefläche der Bodenplatte. Eine niedrige Gliederlauffläche bedeutet, dass die Rollen auf einem immer kleineren Durchmesser laufen.
Laufrollen und Stützrollen
Messen Sie den Laufflächendurchmesser mit Messschieber oder Lehre und vergleichen Sie ihn mit einer neuen Rolle. Prüfen Sie Bundhöhe, Axialspiel (Rolle mit dem Montiereisen anhebeln) und Ölspuren an der Stirnseite. Eine Leckage weist auf eine beschädigte Dichtung hin, und eine Rolle ohne Öl frisst schnell fest. Stützrollen, die sich nicht mehr drehen, haben Flachstellen auf der Lauffläche. Eine solche Rolle sofort tauschen, denn sie zerstört die Kettenglieder.
Leitrad und Turas
Beim Leitrad beurteilen Sie Lauffläche, Mittelbund, Spiel auf der Achse und Dichtheit. Die Zähne des Turas sollten ein symmetrisches, abgerundetes Profil haben. Spitze, einseitig verschobene oder hakenförmige Zähne zeigen, dass Turas und Kette nicht mehr zueinander passen.
Kettenspannung
Fahren Sie die Maschine ein Stück vorwärts und halten Sie sie an, ohne mit der Kette zu bremsen. Am einfachsten messen Sie die Spannung, indem Sie die Kette mit dem Ausleger anheben: Messen Sie den Durchhang des unteren Strangs zwischen Rahmen und Bodenplatte am tiefsten Punkt und vergleichen Sie ihn mit der Betriebsanleitung. Gespannt wird die Kette, indem Sie mit der Fettpresse Fett über das Ventil in den Kettenspanner drücken. Entspannt wird sie durch leichtes Öffnen des Ventils. Drehen Sie das Ventil nie ganz heraus und stehen Sie nie in seiner Achse, denn das Fett im Spanner steht unter hohem Druck.
Symptom – Ursache – Abhilfe
Die häufigsten Warnzeichen, auf die Sie bei der täglichen Wartung achten sollten:
- Kette springt beim Lenken ab – Kette zu locker, verschlissene Bunde an Rollen oder Leitrad, undichter Kettenspanner. Spannung und Dichtheit des Spanners prüfen, Bunde messen.
- Kette verliert nach einigen Tagen Spannung – Dichtung des Spannzylinders oder Ventil undicht. Der Spanner muss instand gesetzt oder ersetzt werden, bloßes Nachfetten hilft nicht.
- Klopfen und Knacken beim Fahren – verschlissene Turaszähne, zu große Kettenteilung, lockere Bodenplatten. Teilung messen und Plattenschrauben nachziehen.
- Ölspuren an Rolle oder Leitrad – beschädigte Gleitringdichtung. Teil tauschen oder instand setzen, bevor es festfrisst.
- Ungleichmäßiger Verschleiß auf einer Seite – Arbeit überwiegend am Hang, Drehen in eine Richtung, verbogener Rahmen oder schief laufende Kette. Geometrie prüfen und Arbeitsweise ändern.
- Gerissenes Kettenglied oder gerissene Bodenplatte – Überlastung, Arbeit auf Fels, zu hohe Kettenspannung. Wie eine solche Reparatur in der Praxis aussieht, zeigen wir im Artikel Wie repariert man eine beschädigte Kette? Bagger Doosan DX 225LC.
Warum das Laufwerk schneller verschleißt als nötig
Die Verschleißrate hängt vor allem von der Betriebsweise ab und erst danach von der Teilequalität. Die häufigsten Fehler:
- Zu straff gespannte Kette: Die Belastung von Bolzen, Buchsen und Rädern steigt, der Verschleiß kann sich vervielfachen.
- Schlamm, Lehm und Steine im Laufwerk: wirken wie zusätzliche Spannung und wie Schleifmittel. Reinigen Sie das Laufwerk am Schichtende, besonders im Winter, denn gefrorener Schlamm blockiert die Rollen.
- Lange Fahrstrecken und hohe Geschwindigkeit: Ein Bagger ist kein Transportfahrzeug. Für längere Strecken einen Tieflader nutzen.
- Rückwärtsfahrt und scharfes Drehen auf der Stelle: erhöhen den Verschleiß von Buchsen, Turaszähnen und Bunden.
- Zu breite Bodenplatten für harten Untergrund: wirken als Hebel auf Glieder und Schrauben.
- Vernachlässigte Schmierung von Anbaugeräten und Drehverbindung betrifft das Laufwerk nicht direkt, zeigt aber den allgemeinen Wartungszustand. Hilfreich kann eine Zentralschmierung sein.
Instandsetzen oder kompletten Satz tauschen

Grundregel: Zusammenarbeitende Teile sollten einen ähnlichen Verschleißgrad haben. Eine neue Kette auf einem verschlissenen Turas übernimmt schnell dessen Profil und verliert an Lebensdauer. Umgekehrt klopft ein neuer Turas auf einer verschlissenen Kette und verschleißt ungleichmäßig. Deshalb werden Kette und Turas meist gemeinsam getauscht, Rollen und Leiträder dagegen nach Messwerten.
Ein Einzeltausch ist gerechtfertigt, wenn ein Teil ausfällt und der Rest in gutem Zustand ist, z. B. eine festgefressene Stützrolle oder ein undichtes Leitrad. Zeigen die Messungen, dass sich die meisten Teile der Verschleißgrenze nähern, lohnt es sich eher, den kompletten Satz auf einmal zu tauschen, als Teile nacheinander bei wiederholten Stillständen zu ersetzen. Eine Instandsetzung (Auftragsschweißen der Laufflächen von Rollen und Rädern, Erneuerung der Dichtungen) ist bei großen, teuren Teilen mit unbeschädigtem Grundkörper sinnvoll. Ob sie sich im Einzelfall rechnet, klären Sie am besten nach der Vermessung.
Den Tausch von Laufwerksteilen führen wir auch vor Ort beim Kunden durch. Richtpreise: Monteurstunde 230 PLN netto, bei Montage von bei WIBAKO gekauften Teilen 190 PLN netto, Anfahrt 3 PLN netto pro km (Hin- und Rückweg).
Auswahl von Teilen für das Kettenlaufwerk

Laufwerksteile werden für die konkrete Maschine ausgewählt, nicht nur nach Gewichtsklasse. Halten Sie bei der Bestellung bereit:
- Hersteller, Modell und Seriennummer der Maschine (z. B. Liebherr R 914, CAT 330C, Komatsu PC210), denn innerhalb eines Modells gibt es unterschiedliche Laufwerksversionen,
- die Teilenummer des vorhandenen Teils, sofern lesbar,
- für die Kette: Teilung, Gliederzahl, Bauart (abgedichtet und geschmiert oder trocken) und Plattenbreite,
- für das Leitrad: Durchmesser, Breite, Befestigungsart und Art des Kettenspanners.
In unserem Shop für Baumaschinenteile finden Sie neue und gebrauchte Laufwerksteile, auch komplette Baugruppen, z. B. ein komplettes Laufwerk für die Planierraupe HSW TD-25E. Finden Sie im Shop kein Leitrad oder keine Rollen für Ihre Maschine, senden Sie uns Modell, Seriennummer und Fotos der Teile. Wir helfen bei der Auswahl des passenden Teils oder beraten Sie anhand der Messwerte zum sinnvollen Umfang des Austauschs.
Häufig gestellte Fragen
Wie finde ich das passende Leitrad für einen Liebherr-, CAT- oder Komatsu-Bagger?
Benötigt werden das genaue Maschinenmodell und die Seriennummer, am besten auch die Teilenummer des vorhandenen Teils. Innerhalb eines Modells, z. B. Liebherr R 914 oder CAT 330C, gibt es verschiedene Laufwerksversionen, die sich in Raddurchmesser, Laufflächenbreite und Befestigung unterscheiden.
Wie prüfe ich die Kettenspannung am Bagger?
Fahren Sie die Maschine ein Stück vorwärts, heben Sie die Kette mit dem Ausleger an und messen Sie den Durchhang des unteren Kettenstrangs zwischen Rahmen und Bodenplatte. Vergleichen Sie den Wert mit der Betriebsanleitung. Eingestellt wird die Spannung durch Einpressen von Fett in den Kettenspanner oder vorsichtiges Öffnen des Ventils.
Kann ich nur die Laufwerkskette ohne Turas tauschen?
Ja, aber eine neue Kette auf einem verschlissenen Turas verschleißt deutlich schneller, weil die Teilungen nicht mehr zueinander passen. Bei fortgeschrittenem Verschleiß lohnt es sich meist, die Kette zusammen mit dem Turas oder den Segmenten zu tauschen.
Warum springt die Kette vom Bagger ab?
Häufigste Ursachen sind eine zu lockere Kette, ein undichter Kettenspanner, verschlissene Bunde an Rollen oder Leitrad sowie beschädigte Kettenführungen. Auch Fahren quer zum Hang mit scharfen Lenkbewegungen begünstigt das Abspringen.
Wie oft sollte das Kettenlaufwerk kontrolliert werden?
Sauberkeit und Spannung sollten laufend bei der täglichen Wartung geprüft werden, besonders bei wechselndem Untergrund. Messungen von Teilung, Rollen und Rädern erfolgen am besten bei den regelmäßigen Inspektionen und werden protokolliert, um die Verschleißrate zu erkennen.