
Bolzen, Buchsen und die Drehverbindung arbeiten unter enormer Last, oft in Schlamm, Staub und Wasser. Fehlt dort Fett, beschleunigt sich der Verschleiß: Die Ausrüstung bekommt Spiel, Bohrungen werden oval, Buchsen fressen sich fest – und die Reparatur endet mit Ausdrehen und Ausbuchsen. Eine Zentralschmierung für Bagger und Radlader soll genau das verhindern: Sie fördert automatisch und während des Betriebs kleine Fettmengen an alle angeschlossenen Schmierstellen. Im Folgenden erklären wir, wie eine solche Anlage aufgebaut ist, welche Bauarten es gibt, was daran ausfällt und wie man sie wartet.
Wozu eine Zentralschmierung und welche Stellen sie versorgt
Fett im Gelenk verringert nicht nur die Reibung. Eine frische Portion drückt Schmutz und Wasser aus der Lagerstelle und bildet am Buchsenrand einen abdichtenden Fettkragen. Beim manuellen Abschmieren einmal pro Schicht bekommt das Gelenk viel Fett auf einmal, das nach und nach herausgedrückt wird – gegen Schichtende läuft es fast trocken. Eine Zentralschmieranlage dosiert wenig, aber oft, sodass der Schmierfilm konstant bleibt.
Beim Ketten- oder Mobilbagger versorgt die Anlage in der Regel:
- die Auslegerfußbolzen und die Bolzen der Auslegerzylinder,
- die Stielbolzen und die Bolzen des Stielzylinders,
- die Löffelkinematik (Laschen, Umlenkhebel, Bolzen des Löffelzylinders),
- die Drehverbindung und bei manchen Ausführungen auch die Verzahnung des Drehkranzes,
- bei Mobilbaggern zusätzlich die Gelenke von Abstützung und Planierschild sowie die Achsschenkel.
Beim Radlader sind typische Schmierstellen das Knickgelenk, die Bolzen der Lenkzylinder, die Hubarme mit Z- oder Parallelkinematik, die Schaufelbolzen und die Lager der Pendelachse. Die Bolzen der Schaufel selbst oder des Schnellwechslers werden oft über eine separate Leitung angeschlossen oder bleiben für das manuelle Abschmieren – das sollten Sie an Ihrer Maschine prüfen.
Bauarten: Progressiv- und Einleitungsanlagen
Progressivanlage
In Baumaschinen trifft man am häufigsten auf die Progressivanlage. Die Pumpe fördert das Fett zum Hauptverteiler und von dort zu den Unterverteilern an den einzelnen Schmierstellengruppen. Im Progressivverteiler arbeiten die Kolben nacheinander: Jeder weitere Hub ist erst möglich, wenn der vorherige Kolben seine Dosis zum Auslass gedrückt hat. Vorteil ist die einfache Überwachung – bewegt sich der Sensor oder Kontrollstift eines Kolbens, arbeitet der gesamte Verteiler. Nachteil: Ein einziger blockierter Auslass legt den ganzen Verteiler und alle nachgeschalteten Schmierstellen lahm.
Einleitungsanlage
Bei der Einleitungsanlage baut die Pumpe Druck in einer Hauptleitung auf, an die an jeder Schmierstelle Dosierer (Dosierventile) angeschlossen sind. Ist der Solldruck erreicht, geben die Dosierer eine festgelegte Menge ab, anschließend baut ein Entlastungsventil den Druck ab und die Dosierer füllen sich für den nächsten Zyklus. Eine blockierte Schmierstelle schneidet die übrigen nicht ab, dafür ist schwerer zu erkennen, welche Stelle kein Fett erhält. In großen Bergbaumaschinen kommen auch Zweileitungsanlagen zum Einsatz.
Hersteller
Den Markt dominieren Systeme von Willy Vogel und Lincoln (beide Marken gehören heute zur SKF-Gruppe) sowie Groeneveld und Beka. Liebherr rüstet seine Bagger und Radlader ab Werk mit einer Zentralschmierung in eigener Ausführung oder auf Basis von Komponenten dieser Hersteller aus. Bei Volvo-Maschinen findet man sowohl werkseitige als auch nachgerüstete Anlagen, meist von Lincoln oder Groeneveld. Beim Ersatzteiltausch kommt es daher nicht auf die Maschinenmarke an, sondern auf Hersteller und Typ von Pumpe und Verteilern.
Aufbau der Anlage

- Pumpe mit Behälter – meist elektrisch, 12 oder 24 V, mit Rührflügel und einem oder mehreren Pumpenelementen. Sie besitzt ein Sicherheitsventil und einen Befüllanschluss.
- Verteiler – Progressivverteiler mit Kolben bzw. Dosierer bei der Einleitungsanlage.
- Leitungen – starre oder flexible Haupt- und Schmierstellenleitungen mit Verschraubungen, die anstelle der Schmiernippel eingeschraubt werden.
- Steuerung – separates Steuergerät (Timer) oder Funktion im Maschinenrechner; legt Pumpenlaufzeit und Pausenzeit fest und zählt die Zyklen oft nur bei laufendem Motor. Optional mit Füllstandsmelder für Fett und Zyklusschalter am Verteiler.
Komplette Sätze für bestimmte Maschinen finden Sie in unserem Shop, z. B. Zentralschmierung für den Liebherr R924C Bagger, Satz für Liebherr R906LC, Zentralschmierung Liebherr R904C oder Anlage Liebherr 10354210. Wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Satz zu Ihrer Maschine passt, nennen Sie uns Modell und Seriennummer – wir prüfen das.
Typische Störungen und Symptome
Luft im System
Häufigste Ursache ist ein leergelaufener Behälter oder das Befüllen von oben mit einem Spachtel, wobei Luftblasen eingeschlossen werden. Die Pumpe läuft, baut aber keinen Druck auf, und die Bolzen sind trocken. Abhilfe: über den Befüllanschluss mit Filter befüllen und nach dem Leerlaufen Pumpenelement und Hauptleitung entlüften, indem man die Leitung am Verteiler löst, bis blasenfreies Fett austritt.
Blockierter Verteiler
Typisches Symptom bei der Progressivanlage: Fett tritt am Sicherheitsventil der Pumpe aus, und keine Schmierstelle hinter dem betreffenden Verteiler wird versorgt. Ursache kann eine gequetschte Leitung, ein festgefressener Bolzen, verschmutztes Fett oder im Winter zu steifes Fett sein. Zur Diagnose löst man nacheinander die Verteilerauslässe und startet einen Zyklus – läuft der Verteiler nach dem Lösen eines bestimmten Auslasses an, liegt das Problem dahinter. Ein blockierter Verteiler muss zerlegt und gespült oder ersetzt werden.
Trockene Bolzen trotz laufender Pumpe
Neben den beiden genannten Ursachen sollten Sie prüfen: abgerissene oder durchgescheuerte Leitungen (vor allem an beweglichen Abschnitten am Löffel), beschädigte Verschraubungen, falsche Steuerungseinstellungen nach einem Modultausch und ein verschlissenes Pumpenelement. Eine gute Gewohnheit ist die tägliche Sichtprüfung, ob an den Buchsenrändern ein frischer Fettkragen zu sehen ist. Fehlt er am Auslegerfuß oder an der Drehverbindung, ist das ein Alarmsignal – wohin langjährige Vernachlässigung der Drehverbindung führt, zeigen wir im Beitrag über eine verschlissene Drehverbindung am Liebherr A906.
Elektrische Störungen
Die Pumpe läuft nicht an: durchgebrannte Sicherung, korrodierter Stecker, defekter Timer oder Pumpenmotor. Geprüft wird das, indem man über die Prüftaste einen Zwischenzyklus auslöst und anschließend die Spannung am Pumpenstecker misst.
Fettauswahl und saisonale Wartung

Zentralschmieranlagen benötigen ein gut förderbares Fett. Im Sommer werden meist Fette der NLGI-Klasse 2 verwendet, im Winter NLGI 1, bei tiefen Temperaturen und langen Leitungen sogar 0 oder 00 – stets gemäß Dokumentation von Pumpe und Maschine. Für hoch belastete Bolzen wählt man EP-Fette mit Festschmierstoffen, sofern der Anlagenhersteller sie freigibt. Mischen Sie keine Fette mit unterschiedlichen Verdickern (z. B. Lithium mit Calcium oder Polyharnstoff) – sie können harte Ablagerungen bilden und die Verteiler blockieren.
Vor dem Winter empfiehlt es sich, auf ein weicheres Fett umzustellen, die Pausenzeiten zu verkürzen und die Leitungen zu prüfen. Im Frühjahr folgt die Inspektion nach der Saison, der Austausch beschädigter Leitungen und die Kontrolle, dass keine Schmierstelle blockiert ist. Beim Tausch von Bolzen oder Buchsen immer prüfen, ob die Schmierkanäle der Neuteile frei sind.
Manuelle Schmierung oder Zentralschmierung – die Kosten
Manuelles Abschmieren bedeutet täglich zehn bis vierzig Minuten Stillstand und das Risiko, schwer zugängliche Stellen wie den Auslegerfuß auszulassen. Eine Zentralschmieranlage erfordert eine einmalige Anschaffung und Montage, danach nur noch das Nachfüllen von Fett und regelmäßige Kontrollen. Der Fettverbrauch ist oft ähnlich oder geringer, da die Dosen klein und gleichmäßig sind. Die größte Ersparnis liegt jedoch in der Lebensdauer: Bolzen und Buchsen müssen seltener getauscht werden, und die Ausrüstung bleibt länger innerhalb der Spieltoleranzen. Denken Sie daran, dass eine Zentralschmierung die Kontrolle nicht ersetzt – eine defekte, unbeobachtete Anlage kann mehr Schaden anrichten als die Fettpresse in der Hand des Fahrers.
Montage und Service
Bei der Montage eines Satzes müssen die Leitungen so verlegt werden, dass sie bei vollem Ausschlag der Ausrüstung nicht gequetscht werden, die Elektrik muss korrekt angeschlossen und die Steuerung auf die Einsatzbedingungen eingestellt werden. Funktioniert die Anlage an Ihrer Maschine nicht oder möchten Sie eine nachrüsten, sprechen Sie uns an – wir übernehmen Diagnose und Instandsetzung von Maschinen verschiedener Hersteller, darunter auch den Service für Volvo Bagger und Radlader.
Häufig gestellte Fragen
Lässt sich eine Zentralschmierung an einem älteren Bagger nachrüsten, der keine hatte?
Ja, die Anlage kann nachgerüstet werden. Pumpe, Verteiler und Leitungen müssen auf die Anzahl der Schmierstellen abgestimmt und die Leitungen so verlegt werden, dass sie bei vollem Ausschlag der Ausrüstung nicht gequetscht werden. Am einfachsten ist es, wenn ein passender Satz für das jeweilige Maschinenmodell verfügbar ist.
Welches Fett eignet sich für die Zentralschmierung eines Baggers?
Das Fett muss gut förderbar sein. Üblich ist im Sommer NLGI 2 und im Winter NLGI 1 oder weicher, stets gemäß Dokumentation von Pumpe und Maschine. Fette mit unterschiedlichen Verdickern sollten nicht gemischt werden, da sie die Verteiler blockieren können.
Warum tritt Fett am Sicherheitsventil der Zentralschmierpumpe aus?
Bei einer Progressivanlage bedeutet das meist einen blockierten Verteiler oder eine blockierte Leitung dahinter, z. B. durch einen festgefressenen Bolzen, eine gequetschte Leitung oder zu steifes Fett. Die Blockade findet man, indem man während eines ausgelösten Zyklus nacheinander die Verteilerauslässe löst.
Passen Vogel-Teile zur Zentralschmierung in Liebherr- und Volvo-Maschinen?
Das hängt davon ab, welche Anlage in der jeweiligen Maschine verbaut ist, nicht von der Maschinenmarke. Vor der Bestellung sollten Hersteller und Typ von Pumpe und Verteilern ermittelt werden, am besten über das Typenschild oder die Teilenummer.
Was tun, wenn die Zentralschmierpumpe läuft, die Bolzen aber trocken sind?
Häufigste Ursachen sind Luft im System nach leergelaufenem Behälter, ein blockierter Verteiler, eine abgerissene Leitung oder ein verschlissenes Pumpenelement. Pumpe und Hauptleitung entlüften und anschließend prüfen, ob Verteiler und Schmierstellenleitungen frei sind.